Rasse statt Masse

Über die Rettung aussterbender Haustierrassen in Österreich
November 2009 – ServusTV | Aus dem Leben – die Reportage | 30 Minuten

Jochberger Hummel, Enstaller Bergschecken, Original Pinzgauer – das sind Haustierrassen, die noch Anfang des letzten Jahrhunderts zum festen Bestandteil des österreichischen Landschaftsbildes gehörten. Heute stehen diese Tiere auf der roten Liste, sind vom Aussterben bedroht.

Angelina und Hubert Pucher gehören zu der Gruppe von Menschen, die für die Erhaltung dieser Haustierrassen kämpfen. Sie haben erkannt, dass mit dem wöchentlichen Aussterben von Rassen genetisches Potenzial, dass seit Jahrhunderten in Österreich beheimatet ist, unwiederbringlich verloren geht. Die alten Rassen tragen, im Gegensatz zu den heute meistens verwendeten Industriehybriden, noch viele Erbanlagen ihrer wilden Vorfahren in sich. So wie Leichtfüttrigkeit, Langlebigkeit, Robustheit und Resistenz gegen Krankheiten.

Auf dem Sturmarchehof von Bauer Pucher in Heiligenblut leben viele vom Aussterben bedrohte Tierarten. Eine besondere Problematik gibt es derzeit mit den Turopolje-Schweinen. „Siggi“ mit rund 300 kg Lebendgewicht hat als Zuchteber ausgedient. Nun müssen die Puchers dringend einen neuen Turopolje-Eber finden, um die Zucht weiterzuführen. Allerdings ist diese Rasse ebenfalls vom Aussterben bedroht und die Schwierigkeit besteht darin, dass der neue Eber nicht oder nur kaum mit seiner Partnerin verwandt sein darf. Um diesen Inzucht-Koeffizienten festzustellen, muss Bauer Pucher der Schweine-Dame ein Stück Haut aus dem Ohr schneiden. Dieses wird ins Labor Xenogenetik geschickt. Zeitgleich suchen die Puchers einen geeigneten Eber über den Arche-Verein. Auch die DNA des männlichen Schweines wird geprüft. Sind dann die beiden Schweine nur wenig oder kaum miteinander verwandt, eignen sie sich zur Zucht. Wer aber glaubt, dass die Tiere nur gezüchtet und nicht geschlachtet werden, der täuscht sich. Die Zucht dient der Erhaltung der Rasse, dennoch müssen immer wieder Tiere geschlachtet werden, weil der Bauernhof sonst aus allen Nähten platzen würde.

Auch Ruth Horejs beschäftigt das Thema „aussterbende Haustierrassen“. Als Pferdefan hat sie sich den Huzulen-Pferden verschrieben. Nur noch knapp 100 Tiere gibt es in Österreich von dieser eigentlich unverwüstlichen Rasse. Dieser Tage steht ein besonders gefährliches Unterfangen an – eine Stute soll gedeckt werden. Im Gegensatz zu den industriellen Züchtungen wird bei Ruth Horejs noch wie in freier Wildbahn gedeckt. Dabei allerdings kann sich die Stute verletzen. Wochenlang wurden Stute und Hengst getrennt. Wenn sie jetzt aufeinander losgelassen werden, kann das zu einer explosiven Situation führen…

Um die aussterbenden Haustierrassen zu erhalten, findet zweimal im Jahr in Maishofen der sogenannte Bockmarkt statt. Hier werden die Tiere begutachtet, bevor sie zur Zucht zugelassen werden – das nennt man Körung. Im Anschluss gibt es eine spannende Versteigerung. Ruth Wallner will heuer ihren einzigartigen Pfauenziegenbock kören und versteigern lassen. Ob er die Prüfung besteht?

Die Puchers haben mittlerweile einen neuen Eber gefunden, der den seltenen Bestand sichern soll. Heute wird er abgeholt. Aber es steht noch eine weitere schwere Entscheidung an – bekommt Eber „Siggi“ sein Gnadenbrot, oder wird auch er zu Wurst? Immerhin ist er Hubert Puchers bester Freund!